Donnerstag, 22. August 2013

Es lebe der Sport



Kenia ist ja ein Jagdland

Jaja, der gute Vorsatz jede Woche einen neuen Beitrag zu posten ist kläglich gescheitert. Aber es gab wirklich besseres zu tun, als sich die Finger auf einer Computertastatur heiß zu tippen. Nämlich einfach mal die wenigen echten Sommertage genießen und mit reichlich Eis und anderem kühlen Nass für reichlich Abkühlung zu sorgen. Und mal ganz ehrlich... wirklich Berichtens wertes ist auch nicht passiert. Aber hiermit ist die Sommerpause nun beendet. Ein kurzer Blick nach draußen, lässt auch definitiv keinen anderen Rückschluss mehr zu. 
Stichwort eisige Stimmung. Es war Leichtathletik Weltmeisterschaft in Moskau. (Die Überleitung hab ich von einem Schreiber vom Lanz!) Was für eine peinliche Veranstaltung. Bei jedem Dorffest ist da mehr Action. Da sind wir von einer guten Diktatur aber besseres gewohnt. Das über 80.000 Menschen fassende Luschniki-Stadion war die gesamte Woche nahezu leer und die Stimmung einer WM entsprechend unwürdig. Da wurde im Vorfeld alles für den totalen Triumph des Superstars, des Heilsbringers, des Unglaublichen - nein nicht Pep Guardiola - aufbereitet, Konkurrenten beseitigt und die Zeitpläne so gebastelt, dass die ganze Welt ihm zur besten Sendezeit huldigen kann und dann bekommt er, Usain Bolt, vor gefühlten fünfzig im Stadion verbliebenen Freunden und Fotografen seine sechste WM-Goldmedaille überreicht. Glückwunsch! Entsprechend beleidigt hat er sich dann auch am zweiten Wochenende präsentiert und sich mit Ach und Krach, aber ohne das für ihn typische Spiel mit den Kameras, über die 200 Meter Strecke und die letzten 100 Meter mit der Staffel geschleppt. Zugegeben, an den Schlusstagen war das Stadion etwas besser besucht, Stimmung kam aber eigentlich nur auf, wenn einheimische Athleten um Medaillen kämpften. Sonst war mehr so tote Hose und von Tag zu Tag wurden weiter Sitzplätze mit Stoffbahnen abgedeckt. Nur ein Block war immer voll besetzt. Da haben sich die Ukrainer echt nicht lumpen lassen. Die haben ihre 2000 Sitzplätze immer vorbildlich besetzt, tausend Mann in gelben und tausend Mann in blauen Leibchen. So geht das Herr Putin. Die Deutsche Sporthilfe hatte im Vorfeld der WM auch eine Aktion unter dem Namen "Dein Gruß für Moskau" zur Unterstützung der deutschen Athleten gestartet - schwarz-rot-goldene Fahnen bestickt mit Grußbotschaften und Motivationssprüchen - davon war am Ende aber Weit und Breit nichts zu sehen. Obwohl es vor allem dank der deutschen Wegwerfgesellschaft durchaus genug Gründe zum Jubeln gab. Robert Harting wird seiner Favoritenrolle gerecht und holt zum dritten Mal in Folge den Titel im Diskuswurf. Auch David Storl gelingt, zugegeben etwas überraschend und unter dramatischen Umständen, die Titelverteidigung im Kugelstoßen. Sein mit Abstand weitester Stoß gelingt ihm im vierten Versuch, doch dieser wird zuerst von den Kampfrichtern ungültig gegeben. Daraufhin meldet sich der deutsche Fotograf Kai Oliver Pfaffenbach und kann anhand seiner Fotoserie zeigen, dass der Stoß absolut korrekt war. Einmalig! Der zweitplatzierte US-Amerikaner Ryan Whiting, der als haushoher Favorit galt und am Ende um 16 Zentimeter unterlegen war, erweist sich am Ende als schlechter Verlierer, legt zuerst Protest ein, um nachdem dieser erfolglos bleibt, nochmal die Dopingkarte zu ziehen. Okay, wenn wir mal versuchen objektiv auf die Leistung zu schauen, hätten wir vermutlich auch Fragezeichen über dem Kopf schweben, wenn ein Athlet beim Saisonhöhepunkt plötzlich 60 Zentimeter weiter stößt als in der gesamten Saison. Dass er damit aber auch einige Zentimeter unter seiner persönliche Bestleistung bleibt, könnte das ganze etwas relativieren, zumal diese etwa 40 Zentimeter unter der seines Konkurrenten liegt, der in Moskau gut 70 Zentimeter unter seiner Rekordweite von 22,28 Metern bleibt. (Wer im Glashaus sitzt, sollte also besser nicht mit Kugeln stoßen!). Mit ordentlich Wut im Bauch und ihr deutlich anzusehender "Scheiß-drauf!"-Einstellung gelingt auch Christina Schwanitz im letzten Versuch der Sprung auf den silbernen Podestplatz im Kugelstoßen. Ihr großes Ziel war es, diesmal direkt an der Siegerehrung teilnehmen zu dürfen und die Medaille nicht erst nachträglich per Post zugestellt zu bekommen. Der goldene Wurf gelang endlich auch einmal der Speerwerferin Christina Obergföll. Ihr Zukünftiger der "ewige Dritte" Boris Henry (war auch Speerwerfer) hatte der "ewigen Zweiten" vor der WM versprochen, dass wenn Sie den Titel holt, er ihren Nachnamen annimmt. Das war scheinbar Motivation genug. Die weiteren Medaillen holten die Stabhochspringer Björn Otto (Bronze) und Raphael Holzdeppe - der erster deutscher Weltmeister in dieser Disziplin überhaupt wird - und ebenfalls sensationell der Zehnkämpfer Michael Schrader. Sehr angenehm an der Berichterstattung war diesmal, dass die Medaillen nicht schon vorher gezählt wurden und auch die Leistungen der anderen deutschen Teilnehmer gewürdigt wurden. So schrammten zum Beispiel die Siebenkämpferin Claudia Rath (um nur 15 Punkte), die Stabhochspringerin Silke Spiegelburg (um sieben Zentimeter), die Speerwerferin Lind Stahl (um 31 cm), Diskuswerferin Nadine Müller (um 50 cm), Diskuswerfer Martin Wierig (um 17 cm) und die 4 x 100 m Staffeln der Frauen (drei Hundertstel) und Männer (zwölf Hundertstel) jeweils als Vierte nur denkbar knapp an Edelmetall vorbei. Außerdem erwähnenswert, dass der Weitspringer Christian Reif als Sechster nur um sieben Zentimeter an Silber vorbeispringt und der 1500-Meter Läufer Homiyu Tesfaye, Asylbewerber und von vielen im Vorfeld gescholten, nur um zwei Zehntel geschlagen, überraschend Fünfter wird. Das Gesicht vom ZDF Reporter Norbert König hätte ich gern gesehen... dieser hatte Tesfaye nach dem erfolgreichen Halbfinale noch süffisant gefragt, was er sich den jetzt für das Finale vornimmt und eiskalt die Antwort bekommen: "Na eine Medaille!", woraufhin der Experte in heiteres Gelächter ausbrach, aber da hatte er wohl die eigentliche Bedeutung des Wortes Wettkampf verdrängt. Mal abgesehen davon, dass ich wohl nie verstehen werde, warum die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender jeweils mit einem kompletten Tross zu so einer Großveranstaltung fahren müssen, nur um dann im täglichen Wechsel vom (zumeist) anderen Ende der Welt berichten zu können, stellt sich mir auch immer die Frage, warum immer öfter der Eindruck entsteht die Gesichter vor der Kamera und hinter den Mikrofonen hätten auch gar keine echte Lust darauf. Da werden lieblos Phrasen gedroschen, sämtliche Leistungen Sportler anderer Nationen nur mit Skepsis betrachtet und sich völlig emotionslos durch Interviews gestolpert, sowohl in Erfolg, als auch Enttäuschung, während nebenan die Kommentatoren am Mikrofon ausrasten und ihre Athleten zur Begrüßung zum Interview mit lautem Handschlag oder Küsschen links, Küsschen rechts begrüßen um darauf hin locker drauf los zu plaudern. Das einziges Highlight der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung gab es beim Speerwurf der Männer zu hören, als sich plötzlich der Kenianer Julius Yego mit 85,40 Metern auf Platz drei katapultiert und dem Reporter rausrutscht: "Ja, Kenia ist ja auch ein Jagdland!" Am Ende wird der Kenianer noch vom Russen - und einem Anruf von Herrn Putin - überholt und wird Vierter. 
Soviel zum sportlichen Teil der Weltmeisterschaft. Am Aufsehenerregendsten waren ohnehin die Fingernägel der schwedischen Hochspringerin Emma Green-Tregaro, die sich zum Protest gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz die Fingernägel in den Regenbogenfarben lackiert hatte und damit mehr Eindruck hinterließ, als der 800 Meter Läufer Nick Symmonds, der "nur" seine Silbermedaille seine homosexuellen Freunden widmete. Nein, bei bunten Fingernägeln hört die Meinungsfreiheit auf! Meint zumindest Putins Systemtreue Vorzeige Sportlerin und Volksheldin Elena Isinbaeva. Die Stabhochspringerin, die kurz zuvor wie geplant Weltmeisterin wurde. Selbige fühlte sich genötigt in einer Pressekonferenz mal in aller Deutlichkeit die allgemeine russische Meinung zum Thema, die nicht NUR die putinsche, sondern auch IHRE sei, heraus- und das Verhalten der Schwedin als absolut respektlos darzustellen. Das schlug dann doch etwas höhere Wellen im Medienecho, woraufhin besagte Frau Isinbaeva tags darauf versuchte zurückzurudern und alles auf ihr mangelhaftes Englisch zu schieben. Wer die sich die PK und Isinbaevas Englisch anhört, weiß, was er von dieser Ausrede zu halten hat. Nun ja, wollen wir es ihr als Putins Betthäschen nicht allzu übel nehmen, denn was hätte sie anderes sagen sollen, bzw. dürfen? Viel erschreckender, dass sich die Funktionäre des Leichtathletik Weltverbandes IAAF vor den selben Karren spannen lassen und Emma Green offiziell verwarnen und diese dann auf Grund des öffentlichen Drucks im Finale mit rot-überlackierten Nägeln antreten musste. Ausgerechnet zwei russische 400 Meter Läuferinnen konnten nach ihrem Staffeltriumph eindrucksvoll gegen die Diskriminierung Homosexueller protestieren, indem sie sich provokativ auf den Mund küssten. Respekt! Ich befürchte aber die werden nun womöglich nicht mehr so sehr oft für Russland starten. Außerdem kann man ja beinahe von Glück reden, dass der im Vorfeld der WM positiv getestete amerikanische Sprinter Tyson Gay nicht an der WM teilnehmen durfte. Schließlich trugen alle Athleten statt Startnummer diesmal ihren Namen auf der Brust. Aber freuen wir uns schon Mal auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi und die übernächste Fußball-WM im Land des lupenreinen Demokraten! Mehr Rückhalt für die Sportler als von der IAAF ist zumindest auch von IOC und FIFA nicht zu erwarten. In diesem Sinne: Sport frei!

Samstag, 20. Juli 2013

Alles nicht der Rede wert

Die gute Nachricht vornweg: Es ist endlich richtig Sommer! Das Problem dabei: Während wir alle entspannt im Park, im Garten, am See, im Biergarten oder am Strand liegen, verzapfen unsere Regierungspolitiker einen Bockmist nach dem anderen und verkaufen uns obendrein noch für vollkommen verblödet. Doch damit sind sie nicht allein. Die versammelte schlagzeilengeile Medienlandschaft sitzt in ihrem selbst geschaufelten Sommerloch und kackt uns von oben bis unten mit geistigem Mainstreamdünnschiss zu. Beispiele gefällig? Here we go!
Da gibt es einen Berliner Gangster-Rapper - der ist an sich schon gar nicht der Rede wert -, aber der hat da jetzt einen Film gedreht und ein neues Album produziert. Und da hat er sich gedacht, ich stell auf Youtube mal ein Musikvideo ein, in dem ich alles und jeden denunziere und mit kruden Gewaltfantasien dahinmetzel, nur um mal wieder in die Schlagzeilen zu kommen. Dafür Glückwunsch, dass hat funktioniert. Doch anstatt diesen leicht zu durchschauenden Plan des geistigen Dünnbrettbohrers einfach scheitern zu lassen, geben nicht nur die Boulevardpresse, sondern auch vermeintlich seriöse Nachrichtensender ihm die mediale Aufmerksamkeit, die er nun beim besten Willen nicht verdient hat. Jetzt kann man Dummheit leider nicht verbieten, aber man muss sie halt auch nicht noch zusätzlich verbreiten. Besonders erschreckend an der ganzen Geschichte ist aber eigentlich die Tatsache, dass die Anzeigen zweier, in dem Musikvideo direkt namentlich genannter und mit Hasstiraden belegter Politiker, nach der Prüfung durch die Anwaltschaften (!) zurückgewiesen wurden und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften ernsthaft erst prüfen musste, ob dieses Video gegen diverse Vorschriften verstößt. Mit dem Ergebnis, dass sich dieses musikalische Meisterwerk zwar nun auf dem Index befindet, aber für Schwachmaten, die bereits die Volljährigkeit erlangt haben, weiterhin verfügbar ist. Aber was gab es da zu prüfen? Die Frage war doch eher, welche Konsequenzen muss das für den "Künstler" haben. Der Text war nicht jugendgefährdend, der Text beinhaltet, ohne ins Detail gehen zu wollen, klare Beleidigungen, Denunzierungen und Gewalt-, ja im Grunde Mordandrohungen. Immerhin hat die Onlinevideoplattform rasch reagiert und das Video komplett gesperrt. Auch Alice Schwarzer hat sich zu einer Stellungnahme herabgelassen, nachzulesen auf ihrer Homepage. So und jetzt Reden wir nicht mehr darüber...
Das worüber im Moment ganz Deutschland redet ist die die NSA-Prism-Spionage-Affäre. Ganz Deutschland? Nein! Eine kleine unbeugsame Gruppe von Politikern, besser bekannt als Regierung, hört nicht auf, die Wichtigkeit des Themas zu ignorieren. Da ist unser Bundesinnenminister, der Friedrich Hans-Peter, und der ist mit großen Ambitionen zu unseren Freunden mit den großen Ohren in die USA gereist, um dort mal nachzufragen, was die denn so alles abhören, mitlesen, speichern und auswerten und um denen zu sagen, dass wir das alle gar nicht so richtig dufte finden, was ihr Geheimdienst da so treibt. Drüben angekommen, darf er dann auch mit der Sicherheitsberaterin sprechen - die Sekretärin vom NSA-Chef hatte wahrscheinlich gerade keine Zeit - und die erklärt ihm dann, dass das doch alles gar nicht so schlimm sei, nur Metadaten gespeichert würden und ja alles der Sicherheit dient. Immerhin wurden dadurch fünfzig! Terroranschläge verhindert, fünf davon in Deutschland... genau... und die selben Experten haben vor einigen Jahren ja auch schon Massenvernichtungswaffen im Irak entdeckt. Damit wird dann der deutsche Innenminister abgespeist und wieder gen Heimat geschickt, wo er dann wie ein begossener Pudel (ach nee, die Frisur sieht ja immer so aus) uns allen erklärt, dass Prism also im Grunde was Gutes und das ganze Theater ja eigentlich nicht der Rede wert ist. Komplett am Arsch vorbei geht die ganze Geschichte der Frau Bundeskanzlerin, die beantwortet Fragen zur Thematik stoisch mit: Wir haben davon nichts gewusst. Und jetzt müssen wir das analysieren und prüfen. Das machen Experten und ich bin dafür nicht verantwortlich. Und wenn die Experten das geprüft haben, dann müssen wir das auswerten und prüfen ob das verhältnismäßig ist. Bla, Bla, Bla... auf gut deutsch: Is' mir doch egal! Das ist im Übrigen die Taktik der Frau Merkel, Fragen einfach nicht beantworten, schön drumherum reden und ja nichts konkretes sagen. Nachzulesen und hören in diverse Interviews der letzten "Zeit" (empfehlenswert hierzu: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/was-angela-merkel-alles-nicht-weiss-und-deshalb-auch-nicht-bewerten-wird/) oder auf der kürzlich abgehaltenen Bundespressekonferenz. Die sich kurz und schmerzlos mit den Worten eines Westernhagensong zusammenfassen lässt: Keine Ahnung, keine Meinung, kein Konzept, keine Lust um aufzustehn, Ginger Rogers hat mit Fred Astaire gesteppt und ich kann übers Wasser geh’n. Es geht mir gut... Highlight dieses neunzig minütigen Frage-Antwortvermeidungs-Spielchens war dann bezeichnender Weise die Aussage: "Ich erhole mich während der Arbeitszeit". Prima! Die Bildzeitung tituliert diese anderthalb Stunden pure Zeitverschwendung dann auch noch als Wahlkampf. Aber der interessiert weder die Kanzlerin noch sonst jemanden aus der aktuellen Regierung. Die mauscheln alle weiter heimlich still und leise vor sich hin. Frei nach dem Motto, wer nichts macht, macht nix verkehrt. Man wartet ab bis die politischen Gegner ein Thema aufschnappen und es schnappt es denen, wenn es die Wähler tatsächlich zu interessieren scheint, kurzer Hand einfach weg. Bisher ist der Wahlkampf also auch nicht der Rede wert! 
Gleiches gilt irgendwie auch für die aktuell stattfindenden Sportereignisse. Überraschung: Es ist Frauen Fußball Europameisterschaft und man erwartet - in diesem Fall hauptsächlich die mediale Öffentlichkeit - von der Nationalmannschaft den Titel. So wird dann ein Unentschieden gegen Holland zur Vollkatastrophe und ein Drei zu Null Sieg gegen Island zur fantastischen Leistung. Aus fernseh-technischer Sicht hofft man jedoch stark, dass Deutschland das Halbfinale nicht erreicht, denn da findet zeitgleich der Audi-Cup statt, ein gaaaanz wichtiges Vorbereitungsturnier des grandiosen FC Bayern München mit seinem neuen Trainer, dem Messias Pep. Das ein gewisser Josep Guardiola in Wirklichkeit kein Heiliger ist und eine Dopingvergangenheit hat, darüber redet man lieber nicht. Doping, darüber redet man im Moment auch bei der Tour de France nicht. Und man möchte für diese Sportart auch hoffen, dass es möglichst so bleibt. Denn da dominiert ein in Kenia geborener weißer Brite - God save the Queen - nach Belieben und lässt alle, auch die schon einmal des Dopings überführten Kontrahenten, meilenweit hinter sich. Was seine Unschuldsbekundungen am Ende wert sein werden, bleibt abzuwarten. Meilenweit hinter sich lies in letzter Zeit auch Usain Bolt in schöner Regelmäßigkeit seine Widersacher im Sprint über 100 Meter. Und all jene, die ihm auch nur irgendwie Nahe gekommen sind, wurden vor Kurzem, oder schon vor Längerem allesamt positiv getestet. Alle bis auf Usain Bolt. Aber überrascht das Ergebnis beim Anblick der unnatürlich muskelbepackten Athleten ernsthaft noch? Und ist es am Ende wirklich wichtig oder alles gar nicht der Rede wert?
"Nicht der Rede wert", das ist auch eine nette Umschreibung für den Posten der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, der Ilse Aigner. Die sagt bei Problemfragen immer nur: "Dafür bin ich nicht zuständig. Das ist Ländersache! oder Europasache!". Und so wundert es eigentlich nicht, dass sie im Talk mit Lanz, auf dessen schleimiges "Sie machen das übrigens toll" nur ein ungläubiges "Was?" hervorbringt. Ansonsten hat sie schon viel von der Merkel gelernt. Zum Beispiel wie man nicht auf Fragen antwortet, Verantwortung weiter schiebt und vor allem, wie man keine Meinung hat. Einziger Unterschied: die Ilse grinst dabei immer so herrlich grenzdebil. Auch als man ihr einen Clip aus der ZDF Heute-Show zeigt, in dem ihre Unnützlichkeit gnadenlos aufgezeigt wird. Alle Anwesenden erkennen das da gerade die traurige Wahrheit wiedergegeben wird und schauen Frau Aigner mitleidig beschämt an. Aber die lacht lauthals los, nur um im nächsten Satz ernsthaft genau das eben aufgezeigte zu wiederholen. Und diesmal ist es wirklich komisch. Aber das mit der Ilse ist hoffentlich bald vorbei, denn die will zurück nach Bayern und ist dann, so Gott will, auch nicht mehr der Rede wert.
Aber zum Glück ist ja jetzt Sommer. Es ist warm und die Sonne scheint. Und Kate und William bekommen demnächst einen Thronfolger oder eine Thronfolgerin und dann sind all die Nichtigkeiten - versprochen! - auch nicht mehr der Rede wert!

Samstag, 13. Juli 2013

Langdons vierte Schnitzeljagd

oder Dan Browns Inferno

Mattschwarzer Umschlag, eine ganz in rot gehaltene Illustration, am oberen Rand der Autorenname in weißen Versalien und darunter der Titel in den charakteristischen großen, blutroten Lettern. So zumindest sahen die ersten drei Brown'chen Langdon-Titel aus. Diesmal aber war ein besonders kreativer Grafiker am Werk und so passt der vierte Teil der Langdon-Trilogie im Buchregal so gut zu den anderen, wie Bushido auf den Christopher Street Day (wenn der das hier liest, widmet er mir bestimmt auch einen "Song" - aber der kann vermutlich gar nicht lesen). Aber genug der Äußerlichkeiten. Bei einem Buch ist ja vor allem das zwischen den beiden Deckeln entscheidend. 

 
Am 14. Mai war es also soweit, der neue Bestseller von Dan Brown erschien und ich habe mich direkt auf den Weg in die nächste kleine Buchhandlung - unterstützt den Mittelstand - gemacht, um den Wälzer käuflich zu erwerben. Auch wenn die Lektüre von Dan Brown gelegentlich, und nicht ganz zu unrecht, mit dem Verzehr von Fast Food verglichen wird, so weiß man doch wenigstens von vornherein, woran man ist: leichte Lektüre und eine 1a Verschwörungstheorie. Das erste Abenteuer des Harvard-Professors - Illuminati - führte ihn erst nach, und anschließend kreuz und quer durch Rom, um direkt vor Ort die katholische Kirche vor dem Untergang zu retten. In Sakrileg - The Da Vinci Code jagt der Symbologe auf den Spuren des Renaissance-Künstlers durch Paris und London und es gelingt ihm ein zweites Mal die Kirche vor der Vernichtung zu bewahren. Nachdem der dritte Teil Das verlorene Symbol dann in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. spielte und hier die Freimaurer "abgearbeitet" wurden, ging es in Inferno für Langdon zurück nach Italien, nach Florenz und Venedig und schließlich nach Istanbul. Zu entschlüsseln gilt es diesmal die Werke des mittelalterlichen Dichters und Philosophen Dante Alighieri und dessen Göttlicher Komödie, deren erster Teil Inferno auch als Titel herhalten musste. Inferno, übersetzt aus dem italienischen, bezeichnet die Hölle. Aber ganz so schlimm ist das Buch dann doch nicht. Zumindest wenn man sich durch die ersten zähen Kapitel gekämpft hat und so langsam etwas Struktur in die Schnitzeljagd kommt. Natürlich darf auch dieses Mal die attraktive junge Begleiterin an Langdons Seite nicht fehlen, ebenso wie der Schurke, der die Welt zerstören möchte. Allerdings kommt es nie zu einer wirklichen Konfrontation mit dem Schweizer Milliardär und Genforscher Bertrand Zobrist, da dieser quasi noch vor Beginn der eigentlichen Geschichte Suizid begeht. Außerdem in die Geschichte involviert sind die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, und eine zwiespältige Untergrundorganisation bestehend aus Geheimagenten und Söldnern.
Ganz Dan Brown typisch hangelt sich die Story gewohnt flüssig und spannend von Cliffhanger zu Cliffhanger, von einer unerwarteten Wendung zur nächsten und bietet dabei jede Menge Informationen zu den Werken von Dante Alighieri, den Florentiner Bauwerken, den darin versteckten Kunstwerken, sowie den Sehenswürdigkeiten und der Historie der Lagunenstadt Venedig. Das zentrale Thema der Geschichte und damit auch die Ursache für den gesamten Konflikt, ist jedoch die Gefahr der Überbevölkerung und den damit einhergehenden Problemen in der Welt. Die diesbezüglich verarbeitet Fakten scheinen, ebenso wie die zu Kunst und Geschichte, durchaus der Wahrheit zu entsprechen und regen den Leser zumindest zum nachdenken an. Aber zu der Thematik schreibe ich vielleicht später noch einmal etwas... (Achtung: Cliffhanger - kann ich nämlich auch!)
Trotz der unzähligen zu lösenden Rätsel, dramatischen Wendungen, Verfolgungsjagden, Stuntszenen und Ortswechsel hat die Geschichte ein Problem, dass heißt eigentlich sogar zwei! Erstens: die Entschlüsselung des viel-stufigen Rätsels führt die Protagonisten am Ende zwar zum Ort des Geschehens, nach Istanbul, hilft aber nicht, das zu verhindern, was alle Gegenspieler - die gesamten 680 Seiten lang - irgendwie versuchen aufzuhalten. Und wie sich herausstellt war das, frei nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel", auch vom Bösewicht von Anfang an so geplant. Aber wozu dann das Rätsel? Und Zweitens: durch die unsäglich vielen Wendungen, wer sind die Guten?, wer sind die Bösen?, scheint der Autor schlussendlich selbst den Überblick verloren zu haben und der Einfachheit halber stehen am Ende alle, die sich über hundert Kapitel lang gejagt, beschossen, schikaniert und verfolgt haben, auf der selben Seite zusammen. Ist aber im Endeffekt eigentlich auch nicht wirklich schlimm, denn die Geschichte bietet auch zwei, gut versteckte, kleine Highlights. In Kapitel 86 schießt der Autor verbal gegen verschiedene Geheimdienste und Regierungen und deren Täuschungsmanöver und Lügengeschichten zur Rechtfertigung des eigenen Handelns und bezieht zum Beispiel klar Stellung gegen den Irakkrieg. Nahezu gleichzeitig nimmt er mit einem Augenzwinkern Verschwörungstheorien auf die Schippe und damit auch die Grundlage seiner eigenen Bücher. Einen richtigen Anflug von Selbstironie hatte Dan Brown allerdings in Kapitel 60, als er und sein Held Robert Langdon, der ja ebenfalls Autor ist, förmlich zu einer Person verschmelzen und Brown die ständigen Verschiebungen des Erscheinungstermins von The Lost Symbol geschickt verwurstet. Langdon bittet seinen Verleger um die Bereitstellung eines Privatflugzeugs, woraufhin dieser eiskalt antwortet: "Okay, lassen Sie mich das anders formulieren. Wir haben keine Privatflugzeuge für Autoren, die dicke Bücher über Religionsgeschichte schreiben. Wenn Sie Fifty Shades of Iconography schreiben wollen, können wir darüber reden." Doch Langdon gibt nicht auf: "egal, was der Flug kostet, ich werde es zurückzahlen. Sie haben mein Wort darauf. Habe ich je ein Versprechen gebrochen?" Darauf die Antwort des Verlegers: "Abgesehen davon, dass du deinen letzten Abgabetermin um drei Jahre überzogen hast?" Zugegeben ein Gag, der sich nur den Langdon-Fans erschließt, dann aber umso witziger ist.
Fazit: Dan Brown bleibt seinem Prinzip treu und liefert mit Inferno erneut einen lesbaren Action-Thriller und leichte unterhaltsame Lektüre, gespickt mit Kunst- und Geschichtsdetails, ab. Die Story selbst ist in meinen Augen gelungener als im Vorgängerband, reicht aber nicht an Illuminati (abgesehen vom katastrophal übertriebenen Ende) und Sakrileg (meinem persönlichen Favoriten) heran. Und wenn man Tom Hanks noch einmal überreden kann, kann auch ein weiterer Blockbuster daraus werden. Genug Potential für Stunt- und Actionszenen, sowie Spielraum zum Einkürzen der Story auf neunzig Minuten, ist durchaus vorhanden.

Sonntag, 7. Juli 2013

Menschen an Automatiktüren

Der Mensch an sich ist schon ein komisches Wesen und das meine ich jetzt ganz und gar nicht körperlich sondern mehr so psychisch. Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass die Spezies Mensch besonders gern stehen bleibt, an den unmöglichsten Stellen. Ich befürchte es handelt sich dabei um einen tragischen Gendefekt. Verantwortlich dafür das sogenannte Plötzlich-nicht-mehr-weiter-Gen. Evolutionstechnisch eindeutig eine Fehlentwicklung, denn ist nicht gerade der in der Tierwelt weit verbreitete, besonders gut ausgeprägte Fluchtreflex ein wichtiger Garant für das Überleben? Sollte das Im-Weg-rum-stehen jedoch dazu dienen, die Weltbevölkerung ein wenig zu dezimieren, muss leider festgestellt werden, dass die Methode etwas zu ineffektiv ist. Ich wäre ja dafür, dass Menschen, die unvermittelt stehen bleiben und dabei anderen, zielstrebigen Menschen sinnlos im Weg stehen, auf der Stelle weggebeamt werden.
Das Phänomen der plötzlichen Fortbewegungsverweigerung tritt besonders gern an den ungeeignetsten Stellen auf. Zum Beispiel am Ende von Rolltreppen. Warum zum Teufel bleiben einige Leute am Ende der vollbesetzten Rolltreppe einfach stehen? Haben die nicht mitbekommen, dass das Förderband ab hier nicht mehr für den Personentransport verantwortlich ist? Haben die plötzlich Orientierung verloren? Obwohl sie gerade mehrere Minuten lang, schnurgerade auf ein ganz offensichtliches Ziel zugefahren sind. Es mag ja nicht so tragisch sein, wenn man sich - auf der neuen Ebene angekommen - erst einmal umschauen möchte und man ganz allein auf der Rolltreppe unterwegs war. Aber wenn diese fahrenden Stufen voll besetzt sind, was in der Regel auch von den Vorausfahrenden bemerkt werden sollte, und der Personennachschub deshalb kontinuierlich fortgesetzt wird, was zur Folge hat, dass es unausweichlich zu Stau und im schlimmsten Fall zum berühmt berüchtigten Dominoeffekt kommt, ist es doch nicht zu viel verlangt zwei Schritte zu tun und zumindest eine kleine Fluchtmöglichkeit zu bieten. Anderes Beispiel, im Supermarkt. Da sind doch immer so Drehkreuze - fragt mich nicht wieso! - eines für Menschen und eines mit so Plastikfransen für die Einkaufswagen. Zugegeben, es ist koordinativ schon leicht anspruchsvoll sich selbst durch die Personenvereinzelungsanlage - die heißen wirklich so - und den rollenden Einkaufskorb parallel durch das andere Ding zu schieben. Aber ist das wirklich so anstrengend, dass man danach erst mal eine kurze Pause benötigt? An der fehlenden Orientierung kann es hier ja eigentlich nicht liegen. Es sei denn das im vorhergehenden Beitrag beschriebene Phänomen ist gerade mal wieder eingetreten. Allerdings kann man in so einem Supermarkt durchaus auch noch einmal zurück gehen, wenn man etwas vergessen oder eben nicht gefunden hat. Nervt zwar, ist aber, wie ich erst neulich feststellen durfte, tatsächlich möglich. Zum Schluss hab ich noch ein drittes Beispiel, bei dem zahlreichen Menschen regelmäßig in ihren persönlichen Standby-Modus verfallen. Genau: automatische Schiebetüren. Spannender Weise sind die meisten von diesen verrückten Dinger so konstruiert, dass man erstens hindurchschauen kann und zweitens sie sich wie von Zauberhand öffnen und man nicht dagegen rennt. Passiert Letzteres doch, folgt in der Regel großes Gelächter. Jedoch scheint das erfolgreiche überwinden dieser Hindernisse manch einen so extrem zu fordern, dass man direkt dahinter kurz verschnaufen muss. Denn auch hier möchte ich den Orientierungsverlust nicht als Ausrede gelten lassen, da man - wie gesagt - zumeist schon bei der Annäherung von drinnen hinaus oder von draußen hinein schauen kann. Eine besondere magische Anziehungskraft scheinen jedoch Automatiktüren an fahrenden Objekten auszuüben. Hier lässt sich ganz oft sogar eine Verdopplung des Im-Weg-herum-steh-Effektes beobachten. Denn kommt ein solches Fahrzeug - ein Zug, ein Bus, eine Straßenbahn, beziehungsweise eine Tram (für die aus den gebrauchten Bundesländern) - zum Halten und eine Schiebetür öffnet sich, steht immer mal wieder bereits eine breite Menschenfront wie angewurzelt direkt davor. Dann stehen sich urplötzlich zwei Personenfronten versteinerte gegenüber. Schafft es dann tatsächlich einer von Innen nach draußen, muss diese Person natürlich direkt wieder wie paralysiert stehen bleiben. In dem Fall hilft dann oft nur noch rohe Gewalt, damit das System nicht vollständig zum erliegen kommt. Und an alle Kampfrentner mit ihren Rollatorpanzern, Mütter mit Kinderwagen und unkontrollierte Kinderhorden die sich gern darüber echauffieren, wenn Sie von Aussteigenden blöd angeguckt oder berührt werden, lasst gefälligst zumindest einen kleinen Fluchtweg und die Leute erst raus! Das hilft in solchen Fällen ungemein!

Mittwoch, 3. Juli 2013

Supermarkt Shuffle

Freitag, die Woche ist zum Glück geschafft und das Wochenende steht vor der Tür. Da kommt plötzlich der kleine Hunger um die Ecke und du machst dich auf zu deinem Kühlschrank. Dort angekommen reißt du voller Vorfreude die Tür auf und entdeckst... ziemlich viel Nichts - ein halbes Stück Butter, 'ne Flasche Ketschup und ein Glas saure Gurken. Da kannst du im Netz suchen, solange du willst, da wird kein Festmahl draus. Also schnell zum Supermarkt des Vertrauens, bevor die ganzen Rentner ebenfalls zu ihrem Wochenendeinkauf aufbrechen. Das Wetter für die nächsten Tage lädt mal wieder eher zum Drinnen bleiben ein und der Blick nach draußen verheißt schon jetzt nichts Gutes. Darum jetzt schnell alle Gedanken zusammen nehmen, in Gedanken den Einkaufszettel erstellen und die Pfandflaschen aus der Abstellkammer einpacken. Ein letzter schneller Blick aus dem Fenster, alles noch trocken! Los geht's! In einer halben Stunde bin ich zurück!
Kaum hab ich mich zehn Meter von der Haustür entfernt, öffnet er Himmel seine Schleusen und der kurze Weg zum Supermarkt ist gerade lang genug, um pitsche-patsche nass zu werden. Unter dem Vordach angekommen den Chip in den Wagen und ab ins Tr... Scheiße Vorderrad blockiert! Neuer Wagen, nur leichter Linksdrall, besser! ... ab ins Trockene. Kurz hinter dem Drehkreuz sieht auch alles aus wie immer. Links die Cornflakes, auf der anderen Seite Kuchen und Brot. Doch der Eindruck täuscht, weiter hinten sieht alles irgendwie anders aus, aber das soll uns nicht aus der Ruhe bringen. Erstmal so tun, als sei nichts passiert. Obwohl es schon ein wenig irritierend ist, wenn da wo sonst Obst und Gemüse zu finden waren, plötzlich Kühltruhen mit Unmengen Fleisch stehen. Egal, am Ende des ersten Ganges um 180 Grad drehen und in Gang 2 einbiegen. Nachdem ich nun also die "Fleisch-ist-mein-Gemüse-Passage" auch von der anderen Seite betrachten konnte, gelange ich in die Abteilung Chips und Co. rechts und Säfte links. Zumindest beim letzten Einkauf war das noch so. Und das ist ja nun auch schon vier lange Tage her. Jetzt sind aus den Chips plötzlich Cookies geworden - okay das liegt nicht allzu weit auseinander - aber statt dem Saft stehen da neuerdings Kisten voller Wein. Die nächste Wende, direkt vor den Kassen, verrät aber zum Glück, dass Tetrapack und Mehrwegflasche nur die Seite gewechselt haben. Während der Billigfusel seit Neuestem in Holzkisten präsentiert wird, lagern die alkoholfreien Getränke jetzt nur noch auf Paletten. Die Regale hat man eingespart. Aber dank der liebevollen Platzierung in Bodennähe und des dadurch massiv verbesserten Überblicks, kann man ganz leicht erkennen, dass Regale auch vollkommen überflüssig sind. Denn die Paletten mit Saft und Co. werden von den Paletten mit Wasser-, Limo- und Cola-Sixpacks abgestützt. Der Weg führt uns also wieder in die Tiefe des Raumes, vorbei an den Aktionsflächen, zurück in die Fleisch-Kühltruhen-Landschaft. Der Blick von oben auf die aufgereihten Plastiksärge hat ein bisschen was von Lenin Mausoleum. Angekommen am hinteren Ende des Supermarktes steht man vor den drei laufenden Metern Kühlschrank, in denen vorher das gesamte anti-vegetarische Angebot Platz fand - jetzt sind es etwa zwölf. Das Kühlregal ist dafür nun beinahe leer. Zurück in Richtung Kassen geht es entlang der Kühlregale die traditionell mit Wurst, Käse und sonstigen Molkereiprodukten befüllt sind. Aber natürlich ist auch hier einmal bunt durchgemischt worden. Einzig die Hygieneartikel direkt vor der Kasse scheinen unverändert in den Regalen verblieben zu sein. Ich habe mich nun also komplett durch den neuen Supermarkt gekämpft und der Einkaufswagen ist auch gefüllt. Aber besser nochmal ein Kontrollblick bevor ich mich anstelle. Gute Idee, denn ich brauchte doch auch noch eine Dose Tomaten. Aber wo sind eigentlich die Konserven? Weg? Ich stehe mit fragendem Blick vor dem Regal, wo die Konserven sonst immer waren, und ich stehe hier nicht alleine. Also zurück zum Anfang, denn wenn ich eines schon begriffen habe, dann dass die jetzt überall sein können. Heißt im Klartext: Augen auf und zweite Runde. Erst jetzt  fällt mir auf, wie gleichermaßen plan- und hilflos ausnahmslos alle durch den Markt irren. Nach wenigen Minuten entdecke ich dann schließlich die Konserven - zwischen Kaffee und Mehl. Ich beschließe spontan mich erst auf die Suche nach dem Tee, der vorher dort war, zu machen, wenn ich mal wieder welchen benötige. Nun schnell zur Kasse. Schnauze voll! Bezahlen, einpacken und dann ab nach Hause. Es ist inzwischen fast dunkel, aber es regnet immer noch. Als ich dann nach knapp eineinviertel Stunde endlich zu Hause angekommen bin, alles auspacken und im Kühlschrank verstauen. Dann der Schreck: wo sind eigentlich die Nudeln? Ja wo sind eigentlich die Nudeln?

Montag, 24. Juni 2013

#Neuland

Uii, da hat es unsere Kanzlerin doch tatsächlich noch vor der bevorstehenden Bundestagswahl geschafft einen Shitstorm gegen sich heraufzubeschwören. Und alles mit nur einem kleinen Satz: "Das Internet ist für uns alle Neuland." Aber lag Sie mit dieser Aussage wirklich so sehr daneben? Denn sind nicht schon allein die kindischen Reaktionen der Netzgemeinde im Grunde bestes Indiz für die brutale Wahrheit, die in diesen nun schon fast legendären Worten steckt? 
Jetzt ist es natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass das Internet an sich nichts wirklich Neues mehr ist. Ganz im Gegenteil. Seit der Online-Stellung der ersten Seite durch Tim Berners-Lee 1989 ist fast ein viertel Jahrhundert vergangen. Und wir alle nutzen es, seit mehr als zehn Jahren, Tag für Tag immer intensiver. Wenn wir ehrlich sind, können wir uns kaum noch daran erinnern, wie wir uns damals so ganz ohne WWW durch die Welt geschlagen haben... kleiner Tipp: Stadtplan, Lexikon, Gelbe Seiten - alles Begriffe die schon fast der Vergangenheit angehören. Und weil wir alle immer bequemer werden und uns nichts mehr merken können oder wollen, tragen wir unser Internet heutzutage ständig griffbereit mit uns herum. Keine Frage, wir haben inzwischen gelernt das Netz für uns zu nutzen, aber können wir auch wirklich schon damit umgehen? Dazu muss man eigentlich nur einen kurzen Blick in dieses ominöse Neuland werfen und die Frage beantwortet sich von selbst. Werfen wir mal einen ersten Blick auf das Rechercheverhalten der meisten. Das sieht doch wie folgt aus: Frage - Google - Wikipedia - fertig - keine Nachfrage. Wenn Wikipedia, was sich inzwischen in vielen Fällen tatsächlich schon zu einer relativ verlässlichen Quelle entwickelt hat, keinen Treffer hervorbringt, wird stattdessen halt der erste von der Suchmaschine vorgeschlagenen Link gewählt und die daraus hervorgehende Antwort gedankenlos hingenommen. Das im Netz aber jeder schreiben kann, was er will - im Grunde genauso wie ich hier - wird gnadenlos ignoriert. Dabei sollten wir uns aber nicht zu sehr darauf verlassen, dass sich jeder Schreiber an das achte Gebot - Du sollst nicht lügen - hält, sondern besser immer den Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte - Meinungsfreiheit - im Hinterkopf haben. Womit wir schon direkt beim zweiten Punkt wären. Hierzu werfen wir ganz bewusst nur einen kurzen Blick auf die verschiedenen Kommentarfunktionen im Netz, zum Beispiel auf die Seiten der sogenannten Nachrichtenanbieter Stern, Spiegel, Focus, Welt, Bild, Kicker, usw. Denn einige Schreiber übersehen irgendwie, bei dem was sie dort so von sich geben, dass der Artikel 5 des Grundgesetzes auch noch einen zweiten Absatz hat, der die Meinungsfreiheit etwas reguliert. Überhaupt nicht mehr aus dem Kopfschütteln raus kommt man, wenn man Diskussionen und Kommentare in den sogenannten "sozialen" Netzwerken liest. Da ist dann doch oft eher die englische Begrifflichkeit "asocial Network" zutreffend. Mal abgesehen von Niveaulosigkeiten, die sich ja noch mit überschaubarem Intellekt begründen lassen, ist die Masse an Beschimpfungen und Beleidigungen einfach unglaublich. Im echten Leben gäbe es für so etwas einfach nur auf die Fresse. Im Netz müssen wir das mehr oder weniger hinnehmen und für unser eigenes Wohlbefinden besser drüber stehen. Meinungsfreiheit heißt, man darf, nicht man muss, zu allem etwas sagen!
Kommen wir nun noch schnell direkt zu Facebook. Irgendwie haben es Zuckerberg und Co. geschafft, die exhibitionistische Ader tief in unserem Innersten zu wecken und viele von uns dazu gebracht, unser ganzes Leben für alle Welt offen zu legen. Für die Erstellung solcher Profile musste sich die Stasi früher ziemlich ins Zeug legen und Tagebücher lagen angeblich auch recht selten so offen herum. Aber im Endeffekt kann ja jeder für sich entscheiden, was er dort veröffentlicht. Nur vorher nachdenken hilft halt manchmal. Sascha Lobo hat kürzlich zum Thema Netzwerke sinngemäß gesagt: Netzwerke sind etwas Tolles und sinnvolles, wenn sich die richtigen Menschen vernetzen. Vernetzen sich die Falschen, ist es nutzlos.
Also ihr Shitstormer und #Neuland-Spötter, wenn ihr jetzt mal kurz in euch geht, ... müsst ihr vielleicht einsehen, für uns alle, auch für euch, "ist das Internet jeden Tag Neuland - zum Glück" (nochmal Sascha Lobo) und da es so viele Möglichkeiten bietet und sich wahnsinnig rasant entwickelt, schreit es förmlich nach klaren Regeln und deren Einhaltung. Das bedeutet natürlich nicht, dass alle User unter Generalverdacht gestellt und alles überwacht werden darf, weder durch irgendwelche Staaten noch durch Onlinedienst-Anbieter, noch durch sonst irgendwen. Was privat ist, hat gefälligst auch privat zu bleiben. Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es jemandem wirklich egal ist, wenn er von vorn bis hinten ausspioniert, oder dauerhaft diffamiert wird. Und vielleicht wäre es ganz hilfreich, liebe Politik, nun endlich mal zu handeln und dabei nicht Edward Snowden zum Sündenbock zu machen, sondern eher die von ihm Angeprangerten. Eventuell sollte man auch langsam davon Abstand nehmen das Internet - von politischer Seite her - weiterhin so konsequent konservativ-merkelesk zu verteufeln und als Bedrohung zu sehen. Zum Beweis (und der Vollständigkeit halber) hier noch der komplette Satz der Kanzlerin: "Das Internet ist für uns alle Neuland und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung [aktuell kommen uns da u.a. USA, Großbritannien in den Sinn], natürlich mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen, unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen."
Bleibt uns nun also erst mal nur die Hoffnung, dass die Politik tatsächlich in der Lage ist, das Netz im Sinne der Nutzer zu schützen. Allerdings ist es ein wenig fraglich, ob ausgerechnet die dafür Verantwortlichen aus der Generation Ü55, in jeglicher Hinsicht, die richtigen Köpfe dafür sind. Die Verweigerungshaltung einiger dieser Herrschaften sollte uns Nutzern diesbezüglich genug Aufforderung zu erhöhter Wachsamkeit sein!

Montag, 17. Juni 2013

Bruttonationalglück?!


Leute, Leute was war das denn bitte für eine Woche? Da weiß man ja gar nicht so Recht, wo man anfangen soll. Jeden Tag eine neue Schlagzeile, eigentlich genug um ein ganzes Sommerloch zu füllen. Aber nix da! Alles noch schön vor der Ferienzeit verbraten. Fangen wir also am besten direkt vor der Haustür an. An Selbige kommen einige seit etlichen Tagen - wenn überhaupt - nur noch mit einem Boot. Denn innerhalb von nur elf Jahren sind zahlreiche Elbe-, Mulde- und Saalestädter zum zweiten Mal von einer Jahrhundertflut heimgesucht worden. Auch entlang von Donau und Neckar und in Österreich und Tschechien ist das gesamte Lebenswerk vieler Menschen im wahrsten Sinne des Wortes einfach weggespült worden. Doch das eigentliche Drama ist wohl, dass den Krawallmedien so langsam die Superlative für derartige Ereignisse ausgehen. Denn es ist wirklich ebenso erstaunlich, wie lobenswert, welche Solidarität und Hilfsbereitschaft innerhalb kürzester Zeit ans Tageslicht gelangt, wenn die Kacke wirklich am dampfen ist, oder besser gesagt, das Wasser bis zum Halse steht. So nach und nach versuchen nun alle noch irgendwie mit auf den Zug der Solidarität aufzuspringen. Seien es die verschiedenen Radio- und Fernsehsender, Fußballvereine oder Künstler, die mit Benefiz- und Spendenaktionen Geld von jedermann einsammeln wollen, und dieses dann als große Geste unter eigenem Namen weitergeben, damit sie nicht in die eigene Tasche greifen müssen. Aber wollen wir nicht zu kritisch sein, den Betroffenen wird am Ende egal sein, woher das Geld kommt. Hauptsache es kommt auch wirklich dort an, wo es dringend benötigt wird. Unsere Politik(er) war(en) eher darum besorgt, möglichst unbeschadet aus der Nummer raus zu kommen. So hat die Muddi der Nation auch erst nach über einer Woche ihre Gummistiefel gefunden um mal vor Ort vorbei zu schauen. Das war jetzt für die Flutopfer keine große Hilfe, aber bevorstehende Bundestagswahlen hilft es wohl zu gewinnen. Noch peinlicher war aber das ständige Schuld hin und her schieben zwischen Regionalpolitikern und Bevölkerung, wenn es um das Thema versäumter Hochwasserschutz in der eigenen Stadt ging. Über die diversen politischen Kurzschlussvorschläge - Hochwassersteuer für alle, einmauern der Risikogebiete - oder der Schrei in sozialen Netzwerken nach Hilfe aus dem Ausland, lege ich an dieser Stelle kopfschüttelnd besser den Mantel des Schweigens.
Gelüftet wurde der Mantel des Schweigens, wenn auch eher unfreiwillig, über das Spionagegebaren der NSA im WWW. Nicht das es wirklich überrascht, aber die US-Regierung fühlt sich genötigt, auf sämtliche Kommunikation im Netz, sei es nun in den sozialen Netzwerken, E-Mails oder direkt bei Google, Apple, Microsoft und Yahoo, ein wachsames Auge zu werfen. Zur Terrorprävention! Auch wenn in diesem Jahr in den USA bisher mehr Menschen durch nicht ganz fachgerechten Waffengebrauch von Kleinkindern, als durch terroristische Anschläge getötet wurden. Aber dafür ist ja auch eher die NRA verantwortlich. NRA, NSA, da ist die Verwechslungsgefahr nicht von der Hand zuweisen und der Übergang vermutlich auch fließend. Offiziell dienen beide vermutlich dem Gemeinwohl. Und weil die amerikanische Spähsoftware Prism - Skandal! - so schön funktioniert, beschließt die Bundesregierung, zum Schutz der deutschen Bevölkerung, dass der BND so etwas auch braucht. Ganz zur Freude von Bundesinnen-Mielke H.P. Friedrich. Nachdem das Projekt Bundestrojaner ja leider etwas schief gegangen ist, könnte man dann vorab selber schon einmal querlesen, was die Amis dann alles zu sehen bekommen. 
In dieselbe Kategorie passt im Grunde auch noch die nächste Schlagzeile: WLAN aus den Wolken. Denn Google plant mit Hilfe von Heliumballons ein weltumspannendes Netz zur Versorgung der ganzen Welt mit Internet zu errichten. Sicher gut gemeint, aber auch nicht ganz uneigennützig. Schreit ein wenig nach Weltherrschaft und klingt, wenn ich nur kurz an das ein paar Zeilen weiter oben geschriebene erinnern darf, ziemlich beängstigend.
Nicht nur beängstigend, sondern ernsthaft schockierend ist das Verhalten des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, der ganz offensichtlich erheblich den Bezug zur Realität verliert. Was außerhalb der Türkei kaum bekannt wurde, sind die zunehmend verschärften Gesetze in Bezug auf das tägliche Leben im Land und äußerst fragwürdige Forderungen hinsichtlich Geburtenzahlen (drei Kinder oder mehr) usw. Da wähnt man ein Land auf behutsamem Weg in Richtung freiheitlich-liberalem Denken, das stolz die Trennung von Staat und Religion kolportiert und dann verkündet der zwar Gewählte - aber so einen hatten wir in Deutschland vor 75 Jahren auch schon - im Wahn ein Gottesgesetz nach dem anderen. So wird dann die Diskussion um ein paar Bäume im Stadtzentrum von Istanbul zum Auslöser für eine Massenbewegung der Bevölkerung im ganzen Land, die die gesamte Unzufriedenheit an die Oberfläche bringt. Und wenn Menschen, quer durch alle Schichten, jung, alt, verschleiert oder nicht, sich zusammen finden und überwiegend friedlich, aber mit Vehemenz protestieren und dem Herrschenden nichts weiter einfällt, als mit aller Gewalt gegen diese vorzugehen, ist dies nicht zu tolerieren. Dass die Stürmung des Gezi-Park mit dem letzten Ton des Abendgebetes beginnt und die Regierung den Taksim-Platz nach tagelangen Straßenschlachten über Nacht wieder herrichten lässt, um so zu tun, als wäre nichts passiert, setzt dem ganzen nur noch die Krone auf. Man kann nur hoffen, dass die Widerstandsbewegung sich von solchen Aktionen nicht entmutigen lässt, weiter macht, für die schon einmal errungenen Freiheiten kämpft und dabei sämtliche mögliche Unterstützung erfährt. 
Die positiven Konsequenzen von langjährigen Repressalien durch wahnwitzige Regierungschefs können wir, zugegebener Maßen ein wenig unerwartet, in der scheinbar besser als erwartet funktionierenden Demokratie im Iran erleben. Zwar hat der gewählte Präsident des Landes nicht allzu viel politisches Sagen - das Staatsoberhaupt bleibt der sogenannte Oberste Rechtsgelehrte oder Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei -, doch es ist hoffentlich als positives Zeichen für eine gemäßigtere Politik nach außen und vor allem nach innen zu werten, dass ausgerechnet der moderateste Kandidat Hassan Rohani, im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erlangt und den allseits unbeliebten Mahmud Ahmadinedschad ablöst. Die Wahlbeteiligung lag trotz angedrohter Repressalien bei über 72 Prozent. Jetzt bleibt, in erster Linie für alle Iraner, zu hoffen, dass der neugewählte Staatspräsident seinen Versprechungen auch die entsprechenden Taten folgen lassen kann und das Volkswohl wieder eine größere Rolle spielt, als unter dem Vorgänger. 
Ein Nachfolger wird auch in Brasilien gesucht. Allerdings erst im nächsten Jahr, denn dann findet dort die nächste Fußballweltmeisterschaft statt. Ein Jahr vorher findet, quasi zur Vorbereitung, der Confed-Cup statt. Ein Fußballturnier, bei dem der Gastgeber gegen den amtierenden Weltmeister und die sechs Kontinentalmeister zum Testlauf antritt. Dummer Weise haben auch hier die Verantwortlichen wieder nicht über den eigenen Tellerrand, beziehungsweise die Stadionmauern geschaut. Mit dem Ergebnis, dass man bis 2014 zwar zwölf topmoderne Stadien errichtet, davon sieben komplett neu gebaut und fünf grundlegend umgebaut, aber die Infrastruktur rund herum vernachlässigt werden. Und so ist es wenig verwunderlich, dass rund um die WM-Generalprobe tausende Brasilianer ihren Unmut kund tun und gegen die Milliardenverschwendung protestieren und fordern das Geld besser in Krankenhäuser, Schulen, Infrastruktur und Bildung zu investieren. Auch hier fühlt sich die Staatsmacht genötigt mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Protestierenden vorzugehen, auch wenn die Augen der Öffentlichkeit bereits auf das Land gerichtet sind.
Ebenfalls ein Neubau sorgt auch in Berlin für große Begeisterung. Nachdem endlich der international Airport BER pünktlich fertiggestellt wurde und noch ein paar beim Bau gesparte Euro übrig geblieben sind, wurde in dieser Woche der Grundstein für das neue Stadtschlösschen für König Wowi XIV. gelegt. Damit geht nach langem hin und her ein großer Wunsch aller Berliner in Erfüllung und die unschöne grüne Freifläche am Spreeufer verschwindet. Zur Begutachtung der Baufortschritte reist dann in den kommenden Tagen auch direkt der US-Präsident an. Auch auf ihn freuen sich alle Berliner schon wie Bolle und nehmen dafür gern kilometerlange Staus und Umweg in Kauf. Außerdem wird Mister Obama unserer Angie schön den Rücken für den bevorstehenden Bundestagswahlkampf stärken. In dessen Vorbereitung finden und fanden gerade die großen Parteitage der Parteien statt, wo im Kern die jeweiligen Programme verabschiedet wurden. Diese mehrere hundert Seiten umfassenden fiktionalen literarischen Werke sollen dem potentiellen Wähler die Entscheidung ein wenig erleichtern und im Endeffekt zur Verbesserung seiner Lebenssituation beitragen. Jetzt habe ich selber noch nicht alle Parteiprogramme komplett durchlesen können, befürchte aber, dass sich erneut niemand eine Anregung aus dem Königreich Bhutan, einem kleinen Staat im Himalaya, zu Herzen genommen hat und das Bruttonationalglück zum neuen politischen Ziel erklärt. Dabei geht es um soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Kultur und vertrauenswürdige Politik zum Wohle der Gesellschaft, nicht um Macht oder Reichtum, nicht um Bestimmung, sondern um Mitbestimmung, nicht um Diskriminierung oder totale Kontrolle und erst recht nicht um Gewalt. Es geht nicht um einen, es geht um ALLE!